Digitalisierung, Smarte Datenanalysen und Neuronale Netze in Tirol

Beim Fraunhofer IZT Expert Talk am 29.10.2019 in der Werkstätte Wattens diskutierten mehr als 40 Gäste aus Industrie und Wirtschaft über Fortschritte in der Digitalisierung in Tirol, aktuelle Forschungsthemen und zukünftige Technologie-Trends. / 30.10.2019

© Armin Kuprian

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Welche Digitalisierungsinitiativen gibt es in Tirol? Wo kommen Digitalisierungstechnologien in Tirol bereits erfolgreich zum Einsatz? Was sind die Zukunftsperspektiven? All diese Fragen wurden beim Fraunhofer IZT Expert Talk in der Werkstätte Wattens am Dienstagabend von Expertinnen und Experten beantwortet und mit dem Publikum diskutiert. Die Zielsetzungen und Leistungen der Tiroler Initiative „digital.tirol“ waren ebenso Thema wie der erfolgreiche Einsatz von Data Analytics Methoden im Ersatzteilmanagement der Lindner Traktorenwerk GmbH  sowie die Vorstellung eines öffentlich geförderten des Forschungsprojektes zum Thema datenbasierte Instandhaltungsplanung unter Einsatz neuronaler Netze.

Nach der Begrüßung und einem kurzen Rückblick über die ersten drei Jahre von Fraunhofer in Tirol durch Peter Schieder, Leiter des Geschäftsbereichs Produktions- und Logistikmanagement in Wien und des Fraunhofer Innovationszentrums Digitale Transformation der Industrie in Tirol, kam Michael Jäger von der Standortagentur Tirol zu Wort. Er stellte die Initiative „digital.tirol“ vor, die Drehscheibe aller Tiroler Digitalisierungsaktivitäten. Die präsentierten Aktivitäten reichten von Kampagnen zur Bewusstseinsbildung über Projekte wie unter anderem das Web-Service „Tech Radar“, „New Mobility Tirol“ bis hin zu Veranstaltungen wie dem Zukunftskongress 2020 und dem „Digi.Festival 2020“.

Wie innovative Datenanalysen – sogenannte Smart Data Analytics – das Ersatzteilmanagement und damit auch die angebotenen After-Sales Services verbessern kann, war Thema des gemeinsamen Vortrags von David Lindner von Traktorenwerken Lindner und Alexander Schmid von Fraunhofer Austria. Mit ca. 1.200 ausgelieferten Fahrzeugen pro Jahr und einer Spezialisierung auf Berg- und Grünlandwirtschaft im Alpenraum und auf die europäische Kulturlandwirtschaft sowie auf Transporter im Kommunaleinsatz ist das Tiroler Traditionsunternehmen Lindner Traktoren Marktführer bei den Maschinen bis 105 PS in Österreich. Nun ist Lindner Traktoren auch Vorreiter in der Digitalisierung, denn nach dem gemeinsamen Projekt mit Fraunhofer Austria kommen nun innovative Prognosemodelle zum Einsatz, die den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Bereich After-Sales und Ersatzteilmanagement die Planung erleichtern. Im Ersatzteilmanagement konnten mittels Warenkorbanalysen strukturelle Zusammenhänge im Kaufverhalten abgebildet, durch computergestützte Prognosen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Planung erleichtert und durch eine Optimierung der Disposition die Warenverfügbarkeit deutlich erhöht werden.

Einen Ausblick in die Zukunft gab zum Abschluss schließlich die Fraunhofer-Forscherin Catherine Laflamme, die über das Projekt COGNITUS referierte. Ziel dieses soeben im FFG-Förderprogramm IKT der Zukunft gestarteten Forschungsprojektes ist die Anwendung von Deep Learning in der Instandhaltungsplanung. Deep Learning hat das Potenzial, Instandhaltungsstrategien in vielen Fällen deutlich zu verbessern. In der praktischen Anwendung der Methode, die auf komplexen neuronalen Netzen beruht, gibt es jedoch noch einige Hürden zu überwinden, die das ForscherInnen-Team in den kommenden zwei Jahren in Angriff nehmen wird.

Beim Networking zum Abschluss der Veranstaltung gab es die Chance, zahlreiche neue Kontakte zu knüpfen und die vorgestellten Projekte und Fachthemen zu diskutieren.