KMU-Erfolgsfaktor Industrie 4.0

2.12.2016

»Mittelständische Unternehmen dürfen den Einstieg in die Industrie 4.0 nicht verpassen!«

© Foto Raimund Appel

v.l.n.r.: Michael T. Sander (proALPHA), Wilfried Sihn (Fraunhofer Austria)

»Dos and Don’ts beim Einstieg in die Industrie 4.0 aus Sicht von Forschung und Praxis« stellten DI Michael T. Sander (CEO proALPHA Austria) und Univ. Prof. Dr. Wilfried Sihn (Geschäftsführer Fraunhofer Austria) vor. Im Rahmen einer Diskussion in Wien sprachen sie am Donnerstag über Industrie 4.0 und die daraus entstehenden Chancen und Risiken für mittelständische Unternehmen.

Herausforderungen und Chancen für KMU

Besonders für den Mittelstand sei das Aufspringen auf den Zug der Digitalisierung im Zeichen von Industrie 4.0 wichtig, da diese enorme Potenziale bereithält. »Es ist mir ein Kernanliegen, dass mittelständische Unternehmen den Einstieg in die Industrie 4.0 nicht verschlafen. Die Digitalisierungs- und Vernetzungsprozesse sind in vollem Gange. Wer nicht mitmacht, läuft Gefahr, im internationalen Vergleich unterzugehen!« erklärte Michael T. Sander die Notwendigkeit intelligenter ERP-Systeme. »Erfreulicherweise gibt es heutzutage technologisch kaum mehr Limits. Damit stehen den Unternehmen unzählige Möglichkeiten zur Verfügung.« Auch die österreichischen Förderprogramme lobte Sander, aber er tritt für ein Ende des Gießkannenprinzips in Österreich ein: Ziel solle die Förderung innovativer Projekte sein, damit der Wirtschaftsstandort Österreich weiter international konkurrenzfähig bleibt. »Vor allem mittelständische Unternehmen sollen profitieren und nicht nur die Big Player«, meinte Sander.

Massive Veränderungen am Arbeitsmarkt

Auch Prof. Dr. Sihn unterstreicht die zentrale Bedeutung von Industrie 4.0: »Die Digitalisierung ermöglicht innovative Prozesse und Geschäftsmodelle für Unternehmen sowie völlig neue Leistungsangebote für Konsumenten.« Man müsse die modernen Technologien nutzen, um einen Kundennutzen zu schaffen. Dass Industrie 4.0 nicht nur Vorteile bringt, muss auch Sihn eingestehen und verweist auf den Verlust von Arbeitsplätzen vor allem niedrig qualifizierter Mitarbeiter. Allerdings geht er davon aus, dass – sofern der Prozess der Digitalisierung stabil und konsequent durchgeführt werde – »langfristig deutlich mehr Arbeitsplätze geschaffen werden können.« Um diese Vorhersage in die Realität umzusetzen, müsse aber zunächst das Bildungswesen an die Anforderungen der Industrie 4.0 angepasst werden. »Industrie 4.0 aus der Steckdose gibt es nicht. Gerade deshalb heißt es kreativ zu sein und die Chancen zu nutzen, die die Digitalisierung auch für mittelständische Unternehmen bereithält«, so Sanders abschließendes Statement.